Säule 5: Wesentliche Grundlagen und Einfluss der Ernährung beim Lymphödem

Die derzeit wirksamste konservative Therapie von Lymphödemen ist die Kombinierte Physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE. Diese setzt sich aus der Manuellen Lymphdrainage nach Dr. Vodder, der Kompressionsbandagierung, der Hautpflege sowie der begleitend erfolgenden physikalischen Therapie zusammen. In der Behandlung von LymphödempatientInnen nimmt neben der KPE (kombinierte physikalische Entstauungstherapie) auch die Ernährung mittel- und langfristig gesehen einen wichtigen Stellenwert ein.

Ernährungsumstellung als Unterstützung der Therapie

„Das einzige, was man bei einer Diät verliert, ist die gute Laune“, meint der Schauspieler Gerd Fröbe. Wenn man eine Diät falsch angeht, trifft diese Aussage den Nagel auf den Kopf. In der Behandlung des Lymphödems entsteht für die Betroffenen häufig die Situation, durch eigenhändig durchgeführte Ernährungsmaßnahmen den Verlauf der Erkrankung nicht zu unterstützen, sondern gerade das Gegenteil zu bewirken. 

Die ersten Schritte

Eine langfristige Lösung kann nur mit einer Umstellung der Ernährung erfolgen. In erster Linie sollte herausgefunden werden, welche Ursachen im Einzelfall für die Erkrankung vorliegen und ob bestehende „Ernährungsfehler“ eine optimale Therapie verhindern. Meist stecken hinter falschen Ernährungsgewohnheiten Ursachen wie „Essen als Belohnung“ oder auch „Essen als Entspannung“. Wichtig ist es, herauszufinden, wie die eigenen Essgewohnheiten aussehen und wo man für eine Umstellung ansetzen muss. Schließlich soll man nicht in alte Essgewohnheiten zurückfallen.

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Übergewicht ade

Ca. 1,5 Millionen Menschen leiden in Österreich an Übergewicht, ca. 700.000 Menschen sind schwer übergewichtig. Weltweit gibt es ca. 1 Milliarde übergewichtiger Menschen, weshalb die WHO bereits seit Jahren Übergewicht als Pandemie einstuft. Übergewicht ist eine wesentliche Ursache für Ödeme. Das überschüssige Fettgewebe ermöglicht eine vermehrte Speicherung von Körperwasser. Daher sollte in einem ersten Schritt eine gezielte Gewichtsreduktion in richtigem Maße erfolgen.

Konkret heißt das: Die Gewichtsabnahme muss so geplant werden, dass etwa 2 kg Körperfett pro Monat abgebaut werden. 2 kg Körperfett entsprechen ca. 15.000 kcal. Daraus errechnet sich eine tägliche Einsparung von 500 kcal. 1 kleines Bier (0,33 l) und 1 kleine Fleischkäsesemmel enthalten 500 – 600 kcal. 

Spaß an der gesunden Ernährung

Eine positive Einstellung und der Ich-tu-etwas-für-mich-Gedanke sind die besten Voraussetzungen für eine Ernährungsumstellung. Das Kennenlernen eigener Essgewohnheiten verspricht die Chance, diese auch effektiv und anhaltend zu verändern.

Für die speziellen Bedürfnisse der LymphödempatientInnen hat unser Chefkoch eine Rezeptsammlung ausgearbeitet. Rezeptesammlung

 

Fett weg - Muskel bleibt

Während der Gewichtsabnahme muss die Muskulatur erhalten bzw. aufgebaut werden. Dadurch bleibt der Grundumsatz (Kalorienverbrennung zur Erhaltung der lebenswichtigen Körperfunktionen) erhalten – der Jo-Jo-Effekt bleibt aus. Die Muskulatur unterstützt zudem das Venen- und Lymphsystem und somit den Abtransport von angestauter Flüssigkeit im Körper.

Eiweiß, der Baustoff für die Muskulatur, darf also im täglichen Speiseplan nicht zu kurz kommen: Ideal sind 0,34 g Eiweiß pro kg Körpergewicht + 30 % Sicherheitszuschlag (Belastung, Bewegung) + 30 % Zuschlag (Resorptionsverlust).

Der Mindestbedarf an Eiweiß liegt bei 0,6 g pro kg Körpergewicht. z. B.: eine Frau mit 65 kg Körpergewicht benötigt eine Mindestmenge von 39 g Eiweiß pro Tag.

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Kräuter statt Salz

Natrium, das in Kochsalz enthalten ist, bindet Wasser im Körper. Daher gilt: Wer zu viel Salz zu sich nimmt, speichert unnötige Körperflüssigkeit und verstärkt damit das Ödem. Außerdem erhöht zu viel Salz den Blutdruck – das gilt auch für Kräutersalz, Meersalz sowie Himalayasalz. 1 Teelöffel Salz pro Tag (ca. 5 g) entspricht der empfohlenen Tagesmenge. Lebensmittel wie Käse oder auch Fertiggerichte, Fertigsaucen usw. enthalten sehr viel Salz. Daher sollten möglichst frische Lebensmittel in ihrer natürlichen Form verwendet werden. Auf Salz verzichten, dafür aber nicht mit Kräutern und Gewürzen geizen. 

2 Liter am Tag

Wer viel Flüssigkeit zu sich nimmt, speichert nicht automatisch mehr Wasser im Körper – im Gegenteil. Eine ausreichende Trinkmenge von ca. 2 Litern pro Tag „durchspült“ die Nieren und hält sie gesund. Sie wollen auf ein Glaserl in Ehren nicht verzichten? Müssen Sie auch nicht. Hin und wieder 1/8 Liter Wein oder 0,3 Liter Bier wirken sich nicht negativ auf die Lympherkrankung aus.

MCT – Das spezielle Fett

MCT-Fette, kurz für middle-chained triglycerides (Mittelkettige Triglyceride), müssen während ihres Verdauungsprozesses nicht über die Lymphgefäße abtransportiert werden. Dadurch wird der Abfluss der Lymphflüssigkeit bei einem bestehenden Lymphstau nicht blockiert. MCT-Fette unterstützen somit einen guten Therapieerfolg. MCT-Fette können zum schonenden Braten bis 150°C verwendet werden, während sich MCT-Öle hervorragend für Salate eignen. MCT-Produkte sind in guten Reformhäusern erhältlich und auch für Kinder geeignet. 

Säulen der Ernährung bei Ödemen

  • Gezielte Gewichtsreduktion Natriumeinschränkung 
  • max. 5 g Kochsalz täglich
  • 2-2,5 Liter alkoholfreie, möglichst zuckerfreie Flüssigkeit pro Tag 
  • Richtige Eiweißzufuhr / hochwertiges Eiweiß 
  • 0,6 bis 0,8 g Eiweiß/kg Körpergewicht/Tag MCT-Fette (Fette mit mittelkettigen Fettsäuren)

Beispiel für einen Tagesplan: 

  • Frühstück: 1 Scheibe Vollkornbort mit 2 Scheiben Käse (15 % F. i. T.), 1 Scheibe Vollkornbrot mit MCT-Margarine, Marmelade, 1 Tasse Kaffee 
  • Mittagessen: 1 Teller Spaghetti mit Tomatensauce (Basilikum, Oregano, wenig Salz), 1 kl. Schüssel Salat (1/2 EL MCT-Öl, Knoblauch statt Salz)
  • Abendessen: Kalte Platte: 2 Scheiben Brot, 2 Blatt Krakauerwurst, 1 Tomate, 1 TL MCT-Schmelzecken, 1 Glas Buttermilch

Des Weiteren gelten für die Ernährung von Patienten nach Krebsoperationen die Empfehlungen der „Österreichischen Gesellschaft für Onkologie“, sowie die Empfehlungen für ausgewogene Ernährung der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) und des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin. Im Wittlinger Therapiezentrum in Walchsee achten wir sehr auf eine sanfte, ausgewogene, salzarme und doch geschmackvolle Zubereitung der Speisen. 

Alexander Osl, Diätologe, www.eat4fun.at

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